Zwischen Todesverdrängung und -integration. Ambivalenzen moderner Medizin
Haucke, K. · Ethik in der Medizin · 2010 · Heft 7 · S. 331 bis 340
Bibliografische Angaben
Zusammenfassung
Dass unsere Gesellschaften den Tod verdrängen, ist eine weit verbreitete Überzeugung. Sie lässt sich jedoch soziologisch weder belegen noch widerlegen: A) Die Moderne ist sich des Todes wohl bewusst. Zum einen kennt sie aufgrund ihrer funktionalen Differenzierung viele Todesbilder. Zum anderen ist sie stark individualisiert, so dass der Tod eine neue Bedeutung gewinnt. Er wird zum irreversiblen Verlust einer unersetzbaren und in sich wertvollen Person. B) Die Moderne wird aber auch als todesverdrängend erlebt, insofern viele ihrer Todesbilder diesen individuellen Tod ignorieren. Diese Ambivalenzen lassen sich in…