Neurodegeneration, Hirnmythologie und Solidarität
Thoma, S. · Sozialpsychiatrische Informationen · 2024 · Heft 1 · S. 16 bis 20
Bibliografische Angaben
Zusammenfassung
„Demenz“ ist ein schillernder Begriff, in dem sich existenzielle Ängste, wissenschaftliche Erkenntnis und Prozesse von sozialem Ein- und Ausschluss verschränken. Der Essay argumentiert, dass Demenzen paradigmatisch für die Vormachtstellung eines medizinisch-neurobiologischen Verständnisses psychischer Erkrankungen stehen – sowohl hinsichtlich Entstehung und Diagnose als auch Behandlung. Verbunden damit sei eine wissenschaftlich genährte gesellschaftliche Erzählung über das Gehirn als Ort von Verrücktheit und Endlichkeit, während Fragen von Demut und menschlicher Solidarität verdrängt werden.