Der „Kannibale von Rotenburg”: Betrachtung eines gesellschaftlichen Entsetzens oder die Angst vor der Verführbarkeit
W. T. Kanzow · Balint Journal · 2004 · Heft 04 · S. 104-108
Bibliografische Angaben
Zusammenfassung
Zusammenfassung Gegenstand dieser Betrachtung ist die Reaktion der Öffentlichkeit auf den Prozess des so genannten „Kannibalen von Rotenburg”. Ausgehend von Presseveröffentlichungen wird das Entsetzen der Gesellschaft zurückgeführt auf eine eigene bedrohliche Verführbarkeit. In jenem hässlichen Spiegel des Kannibalen zeigt sich die Verführbarkeit als ein Teil der Ambivalenz von Freiheit/Ungebundenheit bei gleichzeitiger Entwertung des Lebens. Der Psychiatrie wird dabei die Rolle der Entledigung von Verantwortlichkeit zugewiesen, eine Rolle, die sie - leider ebenso verführbar - nicht abgeneigt ist zu übernehmen.