Der Kreißsaal: ein Ort, an dem „lex“ und „ars“ aufeinandertreffen
Dominique Singer · Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie · 2023 · Heft 04 · S. 249
Bibliografische Angaben
Zusammenfassung
Sucht man nach den Ursprüngen des Ausdrucks lege artis, so stößt man auf die „peinliche“ (von lat. poena=Strafe) Gerichtsordnung Kaiser Karls des V. von 1532, auch Constitutio Criminalis Carolina genannt, die als erstes allgemeines deutsches Strafgesetzbuch gilt. Hier wird demjenigen Arzt eine Strafe angedroht, der aus „unfleiß oder unkunst und doch unfürsetzlich jemandt mit seyner arzney tödtet“. Damit war der Begriff des Kunstfehlers bereits vorgezeichnet, der rund 350 Jahre später von Rudolf Virchow geprägt wurde und sich anfangs hauptsächlich auf einen „Mangel an gehöriger Aufmerksamkeit oder Vorsicht“ bezog…