Pflege AND Intensivstation AND Dysphagie AND Prophylaxe
Suchbegriff=Pflege AND SCHLAGWORT=Gesundheit AND ZEITSCHRIFT="Die Schwester Der Pfleger, Melsungen" AND AUTOR=Szepan
Herzog, A. Bailer, A.-c. Kunze, C. · Prävention und Gesundheitsförderung · 2026
Fehlgeburten sind für alle Betroffenen eine Krisensituation. Neben den körperlichen Symptomen stellen sie eine erhebliche psychische und emotionale Belastung dar. Hier ist eine gute medizinische und psychologische Versorgung ausschlaggebend, insbesondere in Bezug auf den fortbestehenden Kinderwunsch. Aufgrund der starken Tabuisierung des Themas in der Gesellschaft werden bestehende Hilfsangebote oft nicht in Anspruch genommen. Zur Überbrückung dieser Versorgungslücke wurden im Rahmen dieser Studie die Bedarfe und Herausforderungen einer digitalen, psychosozialen Begleitung bei Kinderwunsch nach Fehlgeburt untersucht. Um Interventionsziele und Inhalte der digitalen Intervention zu identifizieren, wurden qualitative leitfadengestützte Interviews mit Expert:innen auf dem Gebiert (N = 5) sowie mit Betroffenen (N = 5) durchgeführt. Die Interviews wurden pseudonymisiert transkribiert und mittels deduktiver und induktiver Kategorienanalyse ausgewertet. Expert:innen fordern mehr gesellschaftliche Aufklärung und einen offenen Umgang mit dem Thema Fehlgeburt. Als essentielle Interventionsziele, um Betroffene in der weiteren Kinderwunschphase zu unterstützen, sehen Expert:innen (1) eine gute Trauerverarbeitung, (2) innere Stabilität, (3) die Aneignung von evidenzbasiertem Wissen und (4) eine Einbindung des/der Partners/Partnerin in den Trauerprozess. Die Sinnhaftigkeit der Ziele wurde auch von Betroffenen bestätigt. Wichtig wurde außerdem ein Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen bewertet. Ein digitaler Begleiter stellt eine potenzielle Möglichkeit dar, von Fehlgeburten betroffene Menschen aktiv in der fortbestehenden Kinderwunschphase zu unterstützen.
Die qualitative Interviewstudie untersuchte, welche Bedarfe und Inhalte eine digitale psychosoziale Begleitung für Menschen mit fortbestehendem Kinderwunsch nach Fehlgeburt haben sollte. Dafür wurden fünf Expert:innen aus Gynäkologie, Hebammenwesen, Trauerbegleitung und Sozialarbeit sowie fünf Betroffene leitfadengestützt interviewt und die Transkripte deduktiv sowie induktiv ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Fehlgeburten weiterhin stark tabuisiert sind und Betroffene häufig auf bagatellisierende Reaktionen aus dem Umfeld stoßen. Expert:innen fordern daher mehr gesellschaftliche Aufklärung und einen offenen Umgang mit dem Thema. Als zentrale Ziele einer digitalen Intervention wurden eine gute Trauerverarbeitung, innere Stabilität, evidenzbasiertes Wissen und die Einbindung des Partners bzw. der Partnerin in den Trauer- und Kinderwunschprozess benannt. Zusätzlich wurde der Austausch mit anderen Betroffenen als besonders wichtig eingeschätzt. Aus den Interviews wurden konkrete Problemfelder und mögliche digitale Lösungsansätze abgeleitet, etwa Übungen zur Trauer- und Resilienzstärkung, verständliche Informationsangebote, Checklisten für Arztgespräche, Paarübungen, Körperwahrnehmungsübungen sowie anonyme Chats oder Foren. Insgesamt deutet die Studie darauf hin, dass ein digitaler Begleiter eine niedrigschwellige Möglichkeit sein kann, Betroffene nach Fehlgeburt in der belastenden Phase des weiteren Kinderwunschs zu unterstützen.